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Ratgeber

Wie gesund ist mein Herz? 7 Anzeichen, die Sie abklären lassen sollten

Dr. med. Reto Berli

Dr. med. Reto Berli

29. September 2026

lesezeit

4 min

Unser Herz arbeitet rund um die Uhr – meist, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Doch was, wenn es plötzlich stolpert, schneller schlägt oder wir bei alltäglichen Belastungen ungewohnt ausser Atem geraten? Nicht hinter jeder Veränderung steckt eine Herzerkrankung. Bestimmte Beschwerden sollten jedoch genauer abgeklärt werden. Unser Kardiologe, Dr. med. Reto Berli, erklärt, welche sieben Anzeichen Sie ernst nehmen sollten und wann eine kardiologische Abklärung sinnvoll ist.

1. Herzstolpern und unregelmässiger Herzschlag

Plötzlich fühlt es sich an, als würde das Herz einen Schlag aussetzen, einen zusätzlichen Schlag machen oder kurz aus dem Takt geraten. Viele Menschen kennen dieses sogenannte Herzstolpern.

Dahinter können Extraschläge des Herzens, sogenannte Extrasystolen, stecken. Sie kommen auch bei herzgesunden Menschen vor und können beispielsweise durch Stress, Schlafmangel, Alkohol oder Koffein begünstigt werden.

«Herzstolpern ist nicht automatisch ein Zeichen für eine Herzerkrankung», erklärt Dr. med. Reto Berli. «Tritt es jedoch neu oder häufig auf oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte man genauer hinschauen.»

Das gilt insbesondere bei begleitendem Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder einer kurzen Bewusstlosigkeit. Ein EKG oder Langzeit-EKG kann beispielsweise helfen festzustellen, ob eine Herzrhythmusstörung hinter den Beschwerden steckt.

2. Plötzliches Herzrasen – auch in Ruhe

Beim Sport oder beim Treppensteigen schlägt das Herz schneller. Das ist eine normale Reaktion des Körpers auf körperliche Belastung. Anders kann es aussehen, wenn Herzrasen plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auftritt, insbesondere in Ruhe.

Betroffene beschreiben häufig ein starkes Herzklopfen oder einen deutlich beschleunigten Puls. Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Neben Stress, Aufregung oder Genussmitteln können beispielsweise auch Herzrhythmusstörungen dahinterstecken.

Tritt Herzrasen wiederholt auf, hält es länger an oder geht es mit Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder einer Ohnmacht einher, ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.

3. Druck oder Schmerzen in der Brust

Bei Schmerzen oder Druck in der Brust denken viele Menschen unmittelbar an das Herz. Tatsächlich können Brustschmerzen ganz unterschiedliche Ursachen haben und beispielsweise auch von der Muskulatur, der Wirbelsäule, der Speiseröhre oder dem Magen ausgehen.

Bestimmte Beschwerden können jedoch auf eine Erkrankung des Herzens hinweisen. Dazu gehören insbesondere neu auftretende Beschwerden bei körperlicher Belastung oder ein Druck- beziehungsweise Engegefühl hinter dem Brustbein.

Wichtig zu wissen

Bei plötzlich auftretenden starken Brustschmerzen oder einem ausgeprägten Druck- oder Engegefühl in der Brust – insbesondere zusammen mit Atemnot, kaltem Schweiss, Übelkeit, Schwäche oder ausstrahlenden Schmerzen – sollte nicht auf einen regulären Arzttermin gewartet werden. In einer akuten Notfallsituation ist in der Schweiz der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 144 zu alarmieren.

4. Atemnot bei Belastung

Früher waren drei Stockwerke kein Problem, heute geraten Sie bereits nach einer Etage ausser Atem? Eine solche Veränderung kann viele Gründe haben. Neben mangelnder Kondition oder Erkrankungen der Lunge können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen.

Entscheidend ist häufig die Veränderung gegenüber der eigenen gewohnten Leistungsfähigkeit. Tritt Atemnot neu auf, nimmt sie deutlich zu oder entsteht sie bereits bei geringer Belastung, sollte die Ursache abgeklärt werden.

Eine kardiologische Untersuchung kann dabei helfen zu beurteilen, ob das Herz eine Rolle bei den Beschwerden spielt oder ob andere Ursachen in Betracht gezogen werden können.

5. Ungewöhnlicher Leistungsabfall

Nicht immer macht sich eine Herzerkrankung durch ein eindeutiges Symptom bemerkbar. Manchmal zeigt sich eine Veränderung zunächst im Alltag: Der gewohnte Spaziergang wird anstrengender, beim Sport fehlt plötzlich die bisherige Ausdauer oder alltägliche Tätigkeiten führen schneller zu Erschöpfung.

Ein solcher ungeklärter Leistungsabfall sollte insbesondere dann medizinisch abgeklärt werden, wenn er neu auftritt oder zunehmend stärker wird.

Dr. med. Reto Berli erklärt: «Wenn jemand ohne offensichtlichen Grund deutlich weniger belastbar ist als zuvor, könnte eine Herzschwäche die Ursache sein und es lohnt es sich, der Ursache nachzugehen.» Dabei muss nicht zwingend das Herz dahinterstecken. Auch andere Erkrankungen oder Faktoren können die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen.

Kardiologische Sprechstunde

Beschwerden rund ums Herz abklären lassen

Herzstolpern, Herzrasen, Atemnot oder andere Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. In der Kardiologie des Spitals Zollikerberg klären wir Ihre Beschwerden gezielt ab und besprechen mit Ihnen, welche Untersuchungen sinnvoll sind.

6. Schwindel oder Ohnmacht

Schwindel kann zahlreiche Ursachen haben und ist nicht automatisch ein Hinweis auf eine Herzerkrankung. Wiederkehrender Schwindel oder eine plötzliche Ohnmacht können jedoch unter anderem mit Veränderungen des Blutdrucks oder des Herzrhythmus zusammenhängen.

Schlägt das Herz zeitweise deutlich zu langsam, zu schnell oder unregelmässig, kann dies die Blutversorgung des Gehirns vorübergehend beeinträchtigen.

Insbesondere eine ungeklärte Ohnmacht sollte deshalb ärztlich abgeklärt werden. Je nach Situation können beispielsweise ein EKG, ein Langzeit-EKG oder weitere Untersuchungen Hinweise auf die Ursache geben.

7. Bluthochdruck – wenn man gar nichts spürt

Nicht alle Risiken für das Herz machen sich durch Beschwerden bemerkbar. Ein wichtiges Beispiel dafür ist Bluthochdruck. Er kann über längere Zeit bestehen, ohne dass Betroffene etwas davon merken.

Auf Dauer kann ein zu hoher Blutdruck jedoch Herz und Blutgefässe belasten und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Deshalb ist es sinnvoll, die eigenen Blutdruckwerte zu kennen und regelmässig kontrollieren zu lassen.

Wer wiederholt erhöhte Werte misst, sollte diese ärztlich beurteilen lassen, auch wenn keine Beschwerden bestehen.

Herz-Check: Wann ist eine Abklärung sinnvoll?

Nicht nur Beschwerden können ein Grund sein, das Herz genauer untersuchen zu lassen. Auch bestimmte Risikofaktoren spielen eine Rolle. Unsere Checkliste gibt Ihnen eine erste Orientierung.

Ein oder mehrere Punkte treffen auf Sie zu?

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Herzerkrankung vorliegt. Es kann jedoch sinnvoll sein, Ihre Beschwerden oder persönlichen Risikofaktoren ärztlich beurteilen zu lassen. Eine erste Abklärung kann häufig bereits bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt erfolgen. Bei Bedarf können anschliessend weiterführende kardiologische Untersuchungen erfolgen. Welche Abklärungen sinnvoll sind, wird individuell entschieden.

☐ Herzstolpern oder Herzrasen treten neu oder wiederholt auf.

☐ Sie bemerken Atemnot bei Belastung, die Sie so bisher nicht kannten.

☐ Bei körperlicher Belastung treten wiederholt Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust auf.

☐ Ihre körperliche Leistungsfähigkeit hat ohne erkennbaren Grund abgenommen.

☐ Sie leiden unter wiederkehrendem Schwindel bei Belastung oder hatten eine ungeklärte Ohnmacht.

☐ Bei Ihnen wurden wiederholt erhöhte Blutdruckwerte gemessen.

☐ Sie haben Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beispielsweise erhöhte Blutfettwerte, Diabetes oder Rauchen.

☐ In Ihrer Familie sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter unter 60 Jahren bekannt.

Das eigene Herz im Blick behalten

Herzstolpern, Herzrasen, Brustbeschwerden, Atemnot oder ein ungewohnter Leistungsabfall bedeuten nicht automatisch, dass eine Herzerkrankung vorliegt. Trotzdem lohnt es sich, Veränderungen des eigenen Körpers wahrzunehmen.

Treten Beschwerden neu, wiederholt oder zunehmend auf, sollten sie ärztlich beurteilt werden. Gleichzeitig kann man auch ohne Beschwerden etwas für die eigene Herzgesundheit tun: Regelmässige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Rauchen sowie die Kontrolle von Blutdruck und weiteren Risikofaktoren tragen dazu bei, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Wer unsicher ist, ob Beschwerden mit dem Herzen zusammenhängen könnten, sollte diese medizinisch einordnen lassen. Eine gezielte Abklärung kann helfen, die Ursache zu erkennen und – falls notwendig – die passende Behandlung einzuleiten.

Portraitfoto

Dr. med. Reto Berli

Leitender Arzt, Klinik für Innere Medizin, Ärztlicher Leiter Medizinisches Ambulatorium

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