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Pflegeexpertise am Spital Zollikerberg: Für mehr Qualität, Sicherheit und Innovation in der Patientenversorgung – Ein Interview mit Kathrin Hillewerth

Kathrin Hillewerth

Kathrin Hillewerth

6. August 2026

lesezeit

8 min

Pflegeexpertise spielt eine zentrale Rolle für eine qualitativ hochwertige, sichere und zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff Pflegeexpertise, welche Aufgaben übernehmen Pflegeexpertinnen und -experten im Spitalalltag, und wie profitieren Patientinnen und Patienten von ihrer Arbeit? In diesem Interview gibt Kathrin Hillewerth Einblicke in die Bedeutung evidenzbasierter Pflege, den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis sowie die Weiterentwicklung innovativer Versorgungsmodelle. Sie erklärt, wie Pflegeexpertise dazu beiträgt, die Pflegequalität kontinuierlich zu verbessern und den Herausforderungen einer immer komplexeren Gesundheitsversorgung zu begegnen.

Frau Hillewerth, was bedeutet Pflegeexpertise im Spital Zollikerberg konkret – und welchen Unterschied macht sie für die Patientinnen und Patienten im Alltag?

Pflegeexpertise bedeutet für mich, wissenschaftliche Erkenntnisse dort wirksam werden zu lassen, wo sie den grössten Nutzen entfalten – direkt bei unseren Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen. Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten verbinden aktuelles wissenschaftliches Wissen mit langjähriger klinischer Erfahrung und unterstützen die Behandlungsteams unmittelbar im Betreuungsalltag.

Besonders sichtbar wird dies bei Menschen mit komplexen Krankheitsverläufen – beispielsweise bei Delir, Demenz, chronischen Wunden oder in der Palliative Care. Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten beraten die Teams direkt am Patientenbett, entwickeln gemeinsam individuelle Lösungen und begleiten Mitarbeitende in anspruchsvollen Betreuungssituationen.

Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet dies mehr Sicherheit, eine individuell abgestimmte Betreuung und eine hohe Behandlungsqualität. Komplikationen können frühzeitig erkannt oder vermieden werden, die Selbstständigkeit der Betroffenen wird gestärkt und der Behandlungserfolg nachhaltig unterstützt.

Sie setzen sich dafür ein, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis einfliessen. Wie gelingt es, Forschung so in den Pflegealltag zu integrieren, dass sie einen spürbaren Mehrwert für die Versorgung schafft?

Forschung entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie den Alltag der Patientinnen und Patienten verbessert. Deshalb verstehen wir Pflegeexpertise als Brücke zwischen Wissenschaft und klinischer Praxis.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden gemeinsam mit den interprofessionellen Teams bewertet und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzt. Das kann beispielsweise ein neuer Standard zur Delirprävention oder eine optimierte Schmerztherapie sein. Pflegeexpertinnen begleiten die Einführung, schulen Mitarbeitende und überprüfen anhand von Qualitätsindikatoren, ob sich die Behandlung tatsächlich verbessert hat.

Gute Betreuung entsteht dort, wo wissenschaftliche Evidenz, klinische Erfahrung und die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zusammenkommen.

Advanced Practice Nursing (APN) gewinnt im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung. Welche Rolle spielen Pflegeexpertinnen und -experten bei der Weiterentwicklung der Patientenbetreuung im Spital Zollikerberg?

Advanced Practice Nurses (APN) verfügen über einen Masterabschluss und übernehmen eine Schlüsselrolle in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsverläufen. Die Rolle der APN hat sich in den letzten 20 Jahren in der Schweiz zunehmend entwickelt und orientiert sich am Bedarf im Gesundheitswesen. Sie begleiten Menschen häufig über den gesamten Behandlungspfad hinweg – vom Eintritt bis zur Entlassung und darüber hinaus – und sorgen dafür, dass medizinische, pflegerische und therapeutische Massnahmen optimal aufeinander abgestimmt sind.

Der grösste Mehrwert der APN liegt in der Kontinuität der Betreuung. Sie behalten den gesamten Behandlungsprozess im Blick, sind eine wichtige Schnittstelle zwischen Pflege, Medizin, Therapien und externen Partnern. Gleichzeitig entwickeln sie neue Behandlungskonzepte, begleiten Qualitätsprojekte und fördern den Wissenstransfer in die Teams.

Innerhalb der APN-Rollen werden zwei Profile unterschieden: Nurse Practitioner (NP) und Clinical Nurse Specialist (CNS). Während Nurse Practitioners ihren Schwerpunkt in der direkten klinischen Betreuung sowie der spezialisierten Diagnostik und Beratung haben, verbinden Clinical Nurse Specialists die klinische Tätigkeit mit Praxisentwicklung. Sie begleiten Veränderungsprozesse, entwickeln pflegerische Standards weiter und fördern den Wissenstransfer innerhalb der Teams. Damit leisten APN einen wichtigen Beitrag zur kontinuierlichen Weiterentwicklung einer patientenzentrierten und qualitativ hochwertigen Versorgung.

Die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung werden immer komplexer. Welche Innovationen oder neuen Behandlungsmodelle halten Sie für besonders wichtig, um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen?

Die Gesundheitswelt verändert sich rasant. Patientinnen und Patienten werden älter, leben häufiger mit mehreren chronischen Erkrankungen und benötigen zunehmend eine individuelle und koordinierte Betreuung.

Deshalb braucht es aus meiner Sicht integrierte Versorgungsmodelle, in denen Medizin, Pflege, Therapien und Sozialberatung noch enger zusammenarbeiten. Interprofessionelle Behandlungspfade und eine koordinierte Fallführung werden weiter an Bedeutung gewinnen. Ich bin überzeugt: Gesundheit entsteht in Co-Kreation – durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen und allen beteiligten Gesundheitsfachpersonen.

Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung und künstliche Intelligenz grosse Chancen. Wenn Routinetätigkeiten sinnvoll unterstützt und Gesundheitsdaten gezielt genutzt werden, gewinnen Fachpersonen mehr Zeit für das Wesentliche – die persönliche Begleitung und die direkte Beziehung zu den Menschen.

Innovation ist für mich jedoch kein Selbstzweck. Sie muss den Patientinnen und Patienten einen echten Mehrwert bieten, die Zusammenarbeit stärken und zu einer qualitativ hochwertigen, sicheren und nachhaltigen Gesundheitsversorgung beitragen.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche Entwicklung möchten Sie im Bereich Pflegeexpertise am Spital Zollikerberg in den kommenden Jahren besonders vorantreiben – und warum?

Ich wünsche mir, dass Pflegeexpertise künftig als selbstverständlicher Bestandteil einer modernen Gesundheitsversorgung wahrgenommen wird – nicht nur innerhalb der Pflege, sondern organisationsübergreifend im gesamten Gesundheitswesen.

Dass der Nationalrat am 28. April 2026 die gesetzliche Verankerung der APN-Rolle im Gesundheitsberufegesetz befürwortet hat, ist für mich ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass die Bedeutung der Pflegeexpertise auch auf politischer Ebene anerkannt wird und ihre Rolle für das Gesundheitswesen der Zukunft weiter gestärkt werden soll.

Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten sollen ihre klinische Expertise weiterhin direkt in die Betreuung von Patientinnen, Patienten und ihren Angehörigen einbringen und gleichzeitig Innovationen, neue Behandlungsmodelle und Qualitätsentwicklung aktiv mitgestalten.

Besonders wichtig ist mir, dass wir voneinander lernen und unsere Kompetenzen noch stärker vernetzen. Die Herausforderungen der Zukunft können wir nur gemeinsam bewältigen. Wenn es uns gelingt, wissenschaftliche Erkenntnisse rascher in die Praxis zu übertragen und gleichzeitig die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten konsequent ins Zentrum zu stellen, schaffen wir einen nachhaltigen Mehrwert – für die Menschen, die wir begleiten, für unsere Mitarbeitenden und für das gesamte Spital Zollikerberg.

Karrierestart im Gesundheitswesen

Wir sind ein Ausbildungsspital für verschiedene Pflegeberufe und suchen fortlaufend nach kontaktfreudigen Menschen mit ausgeprägten Teamplayer-Qualitäten. Unser eingespieltes Ausbildungsteam, unsere Pflegefachkräfte sowie rund hundert Lernende und Studierende freuen sich darauf, neue Kolleginnen und Kollegen willkommen zu heissen.

Portraitfoto

Kathrin Hillewerth

Leiterin Departement Pflegeexpertise, Therapien und Beratung, Spitalleitung

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